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40 Jahre Liturgiereform -
Die Verabschiedung der
Liturgiekonstitution „Sacrosanctum Concilium" durch das Zweite
Vatikanische Konzil vor vierzig Jahren forderte zur Besinnung. Der Kölner
Kardinal Joachim Meisner, oberster Liturgie der Deutschen
Bischofskonferenz, reiste zu einem Experten-Treffen in den Vatikan, dafür
kam Kardinal Joseph Ratzinger nach Deutschland und referierte zum selben
Thema im Dom zu Trier. In
Passau mahnte der Grazer Oberhirte Egon Kappellari, im Gottesdienst das
„Heilige" wieder zu entdecken und Transzendenz wieder aufleuchten zu
lassen. Solche Missbräuche dienen Traditionalisten oft als Argument, die Wiedereinführung der alten Messe zu fordern. Irgendwo im Lande lässt sich immer ein Pfarrer finden, der an seinem Altar Pingpong spielen lässt oder aus der Messe eine "Krabbelmesse" oder einen Ort oberlehrerhaften Moralisierens und Plapperns macht. Die Missbräuche weniger „Modernisierer“ können aber nicht Anlass sein, die gesamte Kirche den Rücksturz in die Vergangenheit antreten zu lassen. Vielmehr geht es darum, in der heutigen Liturgie das eucharistische Geheimnis, das Stehen vor Gott, wieder zu entdecken (Ratzinger).
Auch Arinze stellte klar: Mit der Liturgiereform sei die Volkssprache
in den Gottesdienst eingeführt worden und habe das Verständnis für das
heilige Geschehen gefördert. Keiner der Verantwortlichen in der Kirche will deshalb das
Rad der liturgischen Geschichte einfach wieder zurückdrehen.
Es gilt, das
Wesentliche des Gottesdienstes zurück zu gewinnen. Und das geht auch mit
einem neuen Messbuch. Guido Horst
40 Jahre Liturgiereform -Festakt in Trier mit Cardinal Ratzinger
In seiner Einführung erinnerte Ratzinger an die Früchte der liturgischen Bewegung des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts. Aufgabe eines Konzils sei es grundsätzlich nicht, zuvor Unbekanntes herauszubringen, sondern zuvor Gewachsenes herauszufiltern und ihm Gestalt zu geben. Der Kardinal verglich die liturgische Bewegung mit einem Strom, dessen Wasser den Ursprungsort einzelner Zuflüsse erkennbar werden lasse. Die liturgische Bewegung habe in der Spannung zwischen konservativen und schöpferischen Elementen gestanden. Nach dem Konzil sei die Interpretation vielfach zu einseitig gewesen. Die Leichtigkeit, mit der sich verschiedene Strömungen in der Kirche auf „das" Konzil beriefen, gebe zu denken, so Ratzinger. Um die Balance wieder zu finden, müsse man sich auf den eigentlichen Text besinnen. Wer also nicht alles an der Liturgiereform für geglückt halte, sondern manches als korrekturbedürftig ansehe, sei deswegen noch kein Gegner des Konzils, stellte Ratzinger mit Nachdruck fest. Entscheidend ist für den Kardinal, der seit langem für eine „Reform der Reform" wirbt, eine Wiederentdeckung des Wesentlichen in der Liturgie. Liturgie sei allgemein ein Überschreiten des alltäglichen Lebens, so Ratzinger. Selbstüberschreitung sei in den Kern christlicher Liturgie eingeschrieben. (Von mir weg zu einem Höheren) Mittelpunkt des Passahmysteriums sei das geschlachtete Lamm und damit der Kreuzestod Christi. Die meisten Schwierigkeiten in der liturgischen Praxis beruhen laut Ratzinger darauf, dass das Passahmysterium (Kreuzesopfer - Auferstehung) als Mitte der Eucharistiefeier aus dem Blick gerät. Daher müsse hier eine Erneuerung der Liturgie ansetzen. „Das Kreuz steht nicht für banalen Optimismus", so der Kardinal wörtlich.
Kritische Worte fand der Kardinal für die nachkonziliare Entwicklung.
Die Vision (Ziel) des Konzils sei eine „vernünftige“ Liturgie gewesen. Die unzureichende Beteiligung der Gläubigen am heiligen Geschehen habe den Wunsch geweckt, den gläsernen Schrein zu öffnen und Priester und Gemeinde zu verbinden. Ebenso entschieden wandte er sich gegen Versuche, katholische Liturgie mit Elementen aus anderen Religionen zu versetzen, um dem Ganzen den Schauer des Mysteriums zu verleihen oder sie in immerwährende Betriebsamkeit ausarten zu lassen, um möglichst jeden Gläubigen einzuspannen. „Spüren wir, dass wir vor dem Thron des Herrn stehen?" fragte der Kardinal. Liturgische und geistliche Bildung brauche es, um das eucharistische Geheimnis wieder zu entdecken. Entscheidend sei darüber hinaus, dass Liturgie nicht autonom oder „horizontal“, sondern transparent auf Gott hin sei. Der Überblick des Kardinals über die vielschichtigen liturgischen Probleme, die Gläubige in unterschiedlichen Sprachräumen der Weltkirche beschäftigen und seine Fähigkeit, wissenschaftlich zu argumentieren, bildeten einen Kontrast zu manchen deutschen Befindlichkeiten. Eine gewisse Anspannung ergab sich aus der Vergangenheit des Gastgebers, hatte doch Rom vor nicht allzu langer Zeit Korrekturbedarf für die Übersetzung liturgischer Texte angemeldet, die unter Federführung des Deutschen Liturgischen Instituts entstanden waren.
Mit Blick auf einen
Artikel über die alte Messe, den eine überregionale Tageszeitung am
Donnerstag veröffentlicht hatte, empfahl Ratzinger, eine „liturgische
Versöhnung" anzustreben. Die überhastete Durchführung der Liturgiereform
sei die Ursache, dass nicht nur Freude über die neue Form aufgekommen sei.
Seiner Auffassung nach werde die Liturgiereform im Wesentlichen bleiben,
solle aber vertieft werden. Einfach zum alten Missale zurückzukehren sei
nicht möglich. Der Reichtum an Präfationen und Lesungen im Novus Ordo (im
Neuen Messbuch), auch die neuen Heiligen seien positive Elemente. „Man
kann Liturgie nicht einfrieren", lautete das Fazit des Präfekten
(aber wieder mehr auf Gott hin ausrichten).
Die "tridentinische" Messe ist und bleibt ein Kind
ihrer Zeit -
Buch: Kunzler, Michael "Die <tridentinische>
Messe. Aufbruch oder
Rückschritt?" Seit dem Sommer 2007 hat Papst Benedikt XVI. die Feier der „alten" Messe nach dem Messbuch von 1962 allgemein wieder zugelassen. Dieses Messbuch beruht mit wenigen Veränderungen auf dem Messbuch, das 1570 im Auftrag des Konzils von Trient herausgegeben wurde. Zum Teil massiv wollen verschiedene Gruppen heute zurück zur „Tridentinischen Liturgie", weil viele meinen, nur sie könne „schön" und würdig gefeiert werden. Aber was bedeutet überhaupt die „Tridentinische Liturgie"? Wenn ein Priester mit dem Rücken zur Gemeinde am Altar steht und lateinisch singt und betet, ist das schon die „alte Messe" von früher? Wie ist es zu dieser Form der Messfeier gekommen? Weshalb wurde sie einer Liturgiereform unterzogen? Wie unterscheiden sich die beiden Messformen voneinander, und ist eine Wertung der einen wie der anderen Form möglich? Auch die Einheit der Kirche spielt hier eine große Rolle: Finden die von der katholischen Kirche abgespaltenen Christen der Lefebvre-Bewegung zurück zur Einheit der Kirche? Oder gilt das Gegenteil?
Vorurteilsfreie Information wird in den zehn Kapiteln gegeben:
Michael Kunzler,
SUMMORUM PONTIFICUM cura ad hoc tempus usque semper fuit
WIR BESCHLIESSEN mit dem vorliegenden Apostolischen Schreiben folgendes:
Buchempfehlung: Ludwig Ott: Grundriss der Dogmatik, Diese Neuauflage von Ludwig Ott hat ihre Eigenart. Die Dogmatik des inzwischen zum Bischof von Regensburg beförderten Dogmatikers G. L. Müller, ist von ihrer ganzen Anlage und Grundkonzeption verschieden. In ihrer theozentrischen Grundkonzeption entspricht Ott’s Dogmatik klarer Katholizität im umfassendsten Sinne des Wortes: Die ganze christliche Heilslehre zerfällt nicht in ein Konglomerat unüberschaubarer, autonomer Einzeltraktate. Nein, sie wird zusammengehalten von der Grundvorstellung, dass die heilige Lehre, das Herz der Theologie, von nichts anderem zu handeln habe als von Gott in sich und von den geschaffenen Dingen, insofern sie eine Hinordnung zu Gott als ihrem Ursprung und Ziel haben: Hier ist zu bemerken, dass Ott in den späteren Auflagen an wichtigen Stellen - etwa in der Ekklesiologie - auch neuere Aussagen, etwa des Zweiten Vatikanischen Konzils, beachtet und organisch in seinen Gesamtentwurf einbaut. Damit zeigt er auch schon musterhaft, wie die in neuester Zeit, inzwischen auch von Rom energisch geforderte Rezeption des Konzils im Lichte der Tradition aussehen kann.
Ergänzend dazu hat der Verlag alle Quellenverweise
zum „Denzinger" auf den Stand der neuesten Auflage vom Januar 2005 gebracht
(Denzinger- Hünermann) und zahlreiche Literaturnachträge mit einer
bewundernswerten Sorgfalt und Treffsicherheit (im Sinne einer Auswahl dieser
Literatur „im Geiste Ludwig Ott’s") eingearbeitet. Dies führt dazu, dass
auch jene, die wissenschaftlich arbeiten, an einer solchen Neuauflage gar
nicht mehr vorüber gehen dürfen. Hinzu kommt noch, dass der Drucksatz
gegenüber den älteren Auflagen des Ott angemessen vergrößert und in einer
angenehmeren Schrifttype gesetzt wurde, was das Lesen deutlich
erleichtert. Literaturhinweis: Gerhards, Albert "Ein Ritus - zwei Formen. Die Richtlinie Papst Benedikts XVI. zur Liturgie" Herder: 2008; ISBN: 978-3-451-29781-6; (Fünf Professoren für Liturgiewissenschaft und weitere... nehmen Stellung zu "ordentliche und außerordentliche" Form der Liturgie) Kunzler, Dr. Michael "Die 'tridentinische' Messe. Aufbruch oder Rückschritt?" Paderborn: 2008. ISBN: 978-3-89710-3986; 126 Seiten (Die vergebliche Suche nach der ältesten Form der Messe wird kurz dargestellt! Die Reformatoren meinten, man brauche nur zurück zu den guten und reinen Quellen, was nicht machbar ist.) Kunzler, Michael "Liturge sein. Entwurf einer Ars celebrandi" Paderborn: 2007, 748 Seiten, Gb. ISBN: 978-3-39710-377-1 Haider, Christoph "Eucharistie" Sankt Ulrich Verlag, Augsburg: 2008; 141 Seiten; ISBN-13: 978-3867440158; Joseph Kardinal Ratzinger "Der Geist der Liturgie. Eine Einführung" 3. Aufl. Herder, 2000 (Bendedikt XVI) Breid, Franz (Hrsg.) "Die heilige Eucharistie. Referate der Theologischen Sommerakademie 2005 des Linzer Priesterkreises" Augsburg: 2005; 296 Seiten, ISBN: 978-3-934225-38-1 Dominus-Verlag, Dr. Peter C. Düren, info@dominus-verlag.de Stephan Maessen „Die Liturgiereform - Schiffbruch der Kirche?" Rex Regum Verlag; ISBN 3-901851-20-8 Georg May "Echte und unechte Reform" 2002, ISBN 3-932691-27-X; "Das Problem der Liturgiereform. Die Messe des II. Vatikanischen Konzils und Pauls des VI." (Eine Neue Theologie). Hrsgg. Vereinigung St. Pius X:, Stuttgarterstraße 24, D-70469 Stuttgart; KKK = Katholischer Weltkatechismus http://theol.uibk.ac.at/leseraum/quelltext/ Karl-Heinz Menke "Jesus ist Gott der Sohn" (Gebundene Ausgabe) Pustet, Regensburg: 2008; ISBN: 978-3791721156 Schlosser, Marianne "Die Gabe der Unterscheidung. Texte aus zwei Jahrtausenden" echter, Würzburg: 2008; (Institut für Theologie und Spiritualität, Wien) |