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Stehenbleiber -  Traditionalismus - Fundamentalismus…
Alle Schismen der kath. Kirche
sind traditionalistischen Ursprungs.

    -ismen sind zu hinterfragen!

Es ist eine große Verwirrung unter den Gläubigen seit dem II. Vatikanischen Konzil entstanden. Es gibt in der Kath. Kirche sicher manche Entgleisungen und Sündenböcke  - aber deshalb die Gefolgschaft aufkündigen? Oder gar Sedisvakanz ausrufen?, weil man nicht mehr mit gehen will. 

Es gibt in der Kirche solche Gruppen, die alles bewahren und erhalten wollen, gegen den Abfall durch den Modernismus, usw. Die Absicht an sich ist ja gut, und sich gegen den Zeitgeist wenden auch, aber sie wollen jedes Leben im lebenden Organismus der Kirche einzementieren und ersticken. Sie werben für sich, als die Aufrechterhalter der Kirche - und bleiben starr am "Bisherigen" - sie folgen der Kirche nur bisher und keinen Schritt weiter.

Bezüglich der Tradition: Man kennt die mächtigen traditionalistischen Bewegungen angefangen bei der Priesterbruderschaft Pius X. (Lefebvrianer) … bis …

       Was haben sie für einen Begriff von kirchlicher „Tradition“?
Kennzeichen ist ihre Starre und Selbstgerechtigkeit. Das Bewusstsein ihrer eigenen „rechtgläubigen“ Katholizität gibt ihnen das Recht, alles von ihrem Standpunkt Abweichende souverän zu verurteilen. Sie haben Recht, und nur sie! (Es ist wie bei den Taliban: sie haben den Koran und nur sie haben die rechte Auslegung, und die zwingen sie anderen selbstgerecht auf.) Sie haben die absolute Wahrheit - und sind daher unfehlbar und tyrannisch.

Sie haben Recht, weil die „Tradition“ für sie ist. Und was ist das für eine Tradition? Das, was immer war. Was bisher „immer gegolten“ hat. Zur Gegenwart hin wird ein abschließender Strich gezogen. So ist es, und genau so muss alles bleiben. So wird Lebendes in einen Steinpanzer einzementiert. Es herrscht die äußere Form, der Ritus wird peinlich genau eingehalten, das Gefäß anstatt der Inhalt tradiert. Jesus ist Leben, sein Leib, die Kirche lebt, entfaltet sich - bekommt tiefere Einsicht in die eine Wahrheit. Durch das lebendige Lehramt der Kirche ist es möglich in neu auftauchenden Fragen neue Antworten zu finden. Man denke an das Zinsverbot, an die Sklaverei, die in der Bibel nicht kritisiert wird, an Todesstrafe und "gerechten Krieg", an die Stellung der Frau (im Islam!) und andere Entwicklungen in der Kirche.

Alle Schismen der Kirchengeschichte sind traditionalistischen Ursprungs. Dogmengeschichtlich bedeutet das: tiefere Einsicht und Entfaltung nur bis hierher - und nicht weiter! Es gab in der Liturgie bei gleich bleibendem Wesen immer eine Entwicklung,  aber erst ab jetzt muss alles statisch starr stehen bleiben. Warum nicht schon früher, im 2. Jahrhundert einen Schlussstrich ziehen, oder im 12. Jahrhundert? Wo ist der Zeitpunkt, ab dem die Verderbnis einbrach? Zurück zur Urkirche? - die sich jeder anders denkt - die steril statisch stehen bleiben soll.

     Jedes Konzil produzierte „Stehenbleiber“!
Was bis zum Konzil von Nicäa galt, hat weiter zu gelten (und nichts dazu: auch nicht die nun definierte Wesensgleichheit des Gottessohnes mit dem Vater) - deshalb verlassen die Arianer die Kirche.

Was auf dem Konzil von Nicäa galt, das hat in Ephesus zu gelten, aber nichts weiter: die Nestorianer verlassen die Kirche.

Was in Ephesus galt, muss weiterhin auch in Chalzedon gelten und nichts weiter, keine weitere Vertiefung der bisherigen Einsicht: die Monophysiten aller Färbung isolieren sich.
Dann kommt das Ost-West-Schisma: nur bis zum Zweiten Nicänum, aber keinen Schritt weiter, die Orthoxen (=Rechtgläubigen) bleiben auf dieser Stufe stehen.

Es kommt die Reformation (Waldenser, Menoniten, Lutheraner, …): nur was (buchstäblich) in der Hl. Schrift steht, nicht weiter! Konsequent bei den Evangelischen Freikirchen (Evangelicals) umgesetzt: Es gilt nur was in der Urkirche galt, also was buchstäblich durch die Bibel belegt ist - alles weitere, mündlich tradierte, ist Abfall. Geschichtliche Entfaltung ist vom Bösen; jeder hat den Hl. Geist für sich, legt für sich aus…

Das Erste Vatikanische Konzil (1870): Die Altkatholiken trennen sich. Was bisher nicht als Dogma definiert wurde, darf es auch heute und weiterhin nicht werden, meinen sie.

Jedes große Konzil produziert Stehenbleiber. Sie haben Eifer für die Rechtgläubigkeit, jedes Mal meinen sie: die Tradition liege im Buchstaben, nur in dem, was bisher definiert war. Und man sieht nicht, dass der geistlose Buchstabe tötet. Dass das Leben nicht mit Buchstaben fassbar ist. Dass die Tradition zuerst etwas Lebendiges ist. 

Im Judentum hielten sich die Pharisäer streng an das bisher Überlieferte - und sie lehnten Jesus ab.

Jesus gab uns keine genau definierten Sätze (nicht eine genaue Schallplatte) und seine Religion ist nur dem Sinn nach und dem Geist nach erfüllbar, nicht durch genaueste buchstäbliche Erfüllung. "Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer".

Die Protestanten haben nur die Bibel - und klammern sich an Buchstabengenauigkeit. Der Fundamentalismus der Freikirchen besteht auf der Irrtumslosigkeit der gesamten Bibel (Kosmologie, Ernährung, Sklaverei, ...)

Bis hierher und nicht weiter: Der Trennungsstrich wird dort gezogen, wo ich als Junge aufgehört habe, weiter dazuzulernen, damals war alles noch „heil“ und in Ordnung, da bleibe ich stehen. Es ist nun bequem, darauf auszuruhen und keine weiteren Anstrengungen machen zu müssen. Aber die lieb gewordenen Kinderschuhe, in denen ich mich wohl fühlte, werden eines Tages zu klein: Was dann? Es muss alles bleiben wie es früher war?

      „Rom ist zu progressiv - Rom ist zu konservativ - vielleicht ist Rom doch in der Mitte?“

Jeder wirft Rom etwas anderes vor, jeder meint darüber Richten zu müssen und gescheiter zu sein. Gewiss gibt es auch (wie zu allen Zeiten!) Skandale in der Kirche von unten bis oben (auch Freimaurer, aufgeklärte Liberale)! Das gab es immer schon. Das Volk nimmt an vielem, was ihm nachkonziliar vorgesetzt wurde, berechtigten Anstoß. Und so ist es nicht verwunderlich, dass eine Menge braver Gläubiger dem Traditionalismus ins Netz geht, meist ahnungslos, wo die entscheidenden Punkte liegen.

Die Extreme treiben sich gegenseitig hervor. Die Progressisten sind sich dabei ihrer Verantwortung selten bewusst. Mit einem verächtlichen Blick zu den „Konservativen“ ist es nicht getan - mit einer Kritik an der Rückständigkeit Roms ebenso wenig. Es ist bedeutsam, dass der antirömische Affekt auf beiden Seiten unvermindert heftig vorkommt: Rom ist zu fortschrittlich - Rom ist zu konservativ! Vielleicht ist Rom, auf’s Ganze gesehen, doch in der Mitte.

JESUS hat uns  keine fertige Formel, keinen fixen Ritus, keine genau definierten Sätze, keine fixe Bibel, sondern Göttlich-Lebendiges zu erhalten anvertraut,
in der Selbstübergabe an die Kirche, in der Weitergabe der Apostel an ihre Nachfolger - das lässt sich nicht konservieren und einfrieren - da gibt es Wachstum.

   Bücher:

Eindeutige Antworten? Fundamentalistische Versuchung in den Religionen (auch im Islam…) von Jozef Niewiadomski. Thaur bei Innsbruck, 1988. 210 Seiten.

Religiöser Fundamentalismus. von Clemens Six, Martin Riesebrodt, Siegfried Haas. Broschiert - Studien Verlag, Februar 2005, ISBN: 3706540711

Der religiöse Fundamentalismus. Christentum, Judentum, Islam. von Klaus Kienzler. C.H.Beck 1996,  ISBN: 340640331X

Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren oder Anleitung zum subversiven Denken.  Hubert Schleichert, Broschiert - Beck 2004, ISBN: 3406511244 EUR 6,00

Fundamentalismus - Die Flucht ins Radikale. Stephan H. Pfürtner, Herder-Spektrum; 1991

Christentum und Fundamentalismus. Wolfgang Beinert. 70 Seiten, Steyler Verlag; 1992

Sind Evangelikale Fundamentalisten? Eckhard J. Schnabel, Brockhaus Wuppertal: 1995

Religion erzeugt Gewalt  -  Einspruch!  von Raymund Schwager, Jozef Niewiadomski: 2003, ISBN: 3825867641

Vom Fluch und Segen der Sündenböcke.  von Jozef Niewiadomski, Wolfgang Palaver. 1997

   Januar 2007

 

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